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16Mrz2009

Münsters Wohnungsbaugesellschaft dreht Grevener Straße den Saft ab

von ufafo.ms in Wohnen

Massive Polizeipräsenz vor sozio-kulturellem Zentrum

Massiver Polizeieinsatz vor sozio-kulturellem Zentrum

Am heutigen Tage hat die münstersche Wohn- und Stadtbaugesellschaft den Besetzerinnen und Besetzern des sozialen Kulturzentrums „Versetzt“ in der Grevener Straße 53 die Strom-, Gas- und Wasserzufuhr abgeschnitten. Bauarbeiter rückten an, legten die Leitungen frei und durchtrennten sie. Die Intervention der im Besitz der Stadt Münster befindlichen W+S geschah unter den Augen zahlreicher junger Menschen, welche die Forderungen der BesetzerInnen nach bezahlbarem Wohnraum in Innenstadtnähe und einem sozial-autonomen Zentrum teilen. Anwesend waren auch zahlreiche Mitglieder des unabhängigen Fachschaften Forums (uFaFo).

Provokation verhindert

Bauarbeiter zerstört Leitung

Bauarbeiter zerstört Leitung

Nachdem zwei mit Wasser gefüllte Luftballons (so berichteten zahlreiche Zeitungen) aus einem Häuserfenster flogen, nahm dies die Wohn- und Stadtbau zum Anlass ein massives Polizeiaufgebot anzufordern. Es kam zu Festnahmen zweier AktivistInnen, die einen Baggerfahrer daran hindern wollten, die Versorgungsleitungen aufzureißen. Ebenso zwang die Polizei alle vor dem Eingang des „Versetzt“ befindlichen Menschen dazu, den Ort der „illegalen Versammlung“ (so ein Polizist) auf den dreißig Meter weiter gelegenen Kanonierplatz zu verlegen. Während der Vertreibung wurden die Aktivisten von einem Beamten als „bescheuert“ beschimpft. Als einige Leute nach einer rechtlichen Grundlage für den Verweis verlangten, wurde ihnen dies mit unzureichenden und provokanten Antworten verwehrt. Darüber hinaus drohte die Polizei mit Räumung des Hauses („wegen Ruhestörung“), nur weil aus ihm Musik zu hören war. Die anwesenden AktivistInnen ließen sich jedoch nicht provozieren. Alles bleib friedlich.

Denkbar schlechter Zeitpunkt

Feuer

Gasleitung unter Feuer

Die Zerstörung der Versorgungsleitungen geschah an diesem Tag, obwohl morgen ein Gespräch zwischen BesetzerInnen und Wohn- und Stadtbau bereits anberaumt war. Wie dieses morgen verlaufen wird, ist unklar. Wie die BesetzerInnen auf diese Provokation reagieren werden, werden sie wohl auf einem Notplenum entscheiden. Voraussichtlich, so ist aus Stadtratskreisen durchgesickert, droht den BesetzerInnen nun innerhalb von wenigen Tagen (geschätzt werden drei) die Räumung durch Polizeikräfte.

Stadtpolitik trägt Schuld

Mit einer Räumung wäre allerdings keiner Seite geholfen, weder der Wohn- und Stadtbau, noch der Stadt Münster selbst. Tatsächlich sind es die Stadtratsfraktionen von CDU und FDP und deren

Brief des Amtes für Immobilienmanagement

Antwort des Amtes für Immobilienmanagement

desaströse wie verfehlte Wohnraumpolitik, die die gegenwärtige Verknappung günstigen Wohnraums in Münster verschuldet haben. Auf eine Anfrage des Vereins für „Autonomie und Soziokultur“ (Ask) antwortete das Amt für Immobilienmanagement am 13. Februar 2009 brieflich: „Leider konnten…nach intensiven Recherchen keine Räumlichkeiten (, die ihren Vorstellungen nach einem soziokulturellen Zentrum entsprechen, Anm. d. Verf.) gefunden werden. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Stadt Münster in den vergangenen Jahren sukzessive ihren Immobilienstand reduziert hat.“

WN kriminalisiert BesetzerInnen

Friedliche Besetzung wird kriminalisiert

Friedliche Besetzung wird kriminalisiert. Vorurteile werden ausgebeutet.

Der Aussage des Vertreters der Wohn- und Stadtbau (Nottenkemper), „9 von 12 Mietwohnungen“ seien „öffentlich gefördert“ kann man im Rahmen der oben bereits genannten Vorgaben der Politik leider nur bedingt Glauben schenken. In Münster hat die Erfahrung gezeigt, dass mit der Verwendung des Begriffs „öffentliche Förderung“ nur selten das Entstehen preiswerten Wohnraums verbunden ist. Die Aussage, dass die Wohn-und Stadtbau nach dem Abriss der Häuser dort zu 75 Prozent sozialer Wohnraum entsteht, ist bisher nur schriftlich, nicht aber verbindlich erfolgt. Ebenso muss die Frage erlaubt sein, warum eine Häuserzeile abgerissen werden soll, in der bereits preiswerter Wohnraum existiert. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Wohnungsmieten in einem Neubau wesentlich teuerer sein werden. Außerdem wurden dem Verein „Ask“, der bis zum vergangenen Jahresende das „Versetzt“ angemietet hatte, keine Ersatzräumlichkeiten angeboten. Die Nicht-Berücksichtigung von „Ask“ wirft ein Licht auf die Wertschätzung von basisorientierten Kultur- und Sozialvereinen in Münster. Wenn für „Ask“ keine Räumlichkeiten existieren, gibt es sie auch nicht für andere Vereine; ganz einfach deshalb, weil sie durch die Wohnraumplanungspolitik der vergangenen Jahre bewusst vernichtet wurden. Die BesetzerInnen legen den Finger stellvertretend für alle anderen betroffenen Vereine in die Wunde. Die BesetzerInnen büßen deshalb stellvertretend für diese verfehlte Stadtentwicklungspolitik; gerade weil sie eine Umkehr und ein Umdenken einfordern. Dass die Lokalzeitung Westfälische Nachrichten (WN) gleichzeitig versucht die BesetzerInnen zu kriminalisierten („Polizei schützt Bauarbeiter“), tut da sein Übriges. Nun kann nur noch eine BürgerInnenbewegung Räumung und Abriss der betroffenen Häuserzeile in der Grevener Straße verhindern.

Siehe auch:
Artikel „Rund um das Versetzt“

3 Kommentare zu Münsters Wohnungsbaugesellschaft dreht Grevener Straße den Saft ab

kai

17. März 2009 um 07:08 Uhr

Ich verfolge diese Bestzung jetzt seit langer Zeit, und muss fesstellen das hier durch die Besetzung verhindert wirde
1. Die Baukonjunktur anzukurbeln (was gerade heute einige Arbeitsplätze sichert)
2. Verhindert wird das ein sehr baufälliges Haus in dem man nicht mehr wohnen kann und was nicht den Energiebestimmung entspricht beseitigt wird
3. Hier neuer und wenn man der W+S glauben kann neuer bezahlbarer wie Moderner Wohnraum entstehen kann
4. Der Verein hatte finde ich was die größe eines Ladenlokales angeht mit 90 qm eine unrealistiche Voorstellung (andere Vereine müssen Ihre Vereinsheime etc auch selber bezahlen)
5. Die Häuser sind ja nun auch keiine besondere Schönheit sind stark heruntergekommen, da will auch niemand drin wohnen
6. Eine Sanierung wäre 5 mal teuerer als ein Neubau, der auch viel besser in das Umfeld passt
7. Man wirft hier immer nur der gegenseite schlechtes vor und verschweigt das eine besetzung nun mal Illegal ist
8. Das man nun Wasser und Strom abstellt finde ich normal, denn wer soll denn die Kosten tragen die Besetzter werden es ja nicht tun
9. Ich (Ihr) würdet doch auch nicht wollen das einfach jemand eure wohnung besetzt und Ihr die Kosten tragen solltet

Mein Fazit die Besetzer sollten das Haus räumen und der W+S erst mal die Chance geben das was sie versprochen haben auch Wahr zu machen (75% Sozialwohnung)

Das ist aber eine Sache des Stadtrates der dies auch festschreiben muss, allerdings gibt es den Sozialen Wohnungsbau schon sehr lange und der hat immer funktioniert

ufafomuenster

17. März 2009 um 17:25 Uhr

Einige Punkte entsprechen nicht dem tatsächlichen Stand. Ansonsten wäre ein Engagement des unabhängigen Fachschaften Forums auch nicht sinnig.

1. Die Häuser sind nicht baufällig. Sie unterliegen nur einer Veränderungssperre, welche es unmöglich macht, die Fassaden zu renovieren. Dies führt zum unansehnlichen Aussehen der Fassaden.
Dazu siehe etwa auch diesen Leserbrief der Familie Tuchmann:

http://grevener.blogsport.de/images/WN28.04.07.JPG

2. Die Wohn- und Stadtbau schafft nicht mehr sozialen Wohnraum und dieser ist auch deutlich teurer als bisher. Ich habe die Pläne, welche im Stadtrat vorlagen selbst gesehen, darin wurde zuletzt leerstehender Wohnraum einfach rausgerechnet. So kommen die Ratsfraktionen CDU und FDP auf die angeblich Schaffung zusätzlichen Wohnraums.
Die bisherigen Mieten von 3 Euro pro Quadratmeter (in der 31 noch darunter) werden nun auf 6,50 Euro bis 8 Euro steigen.

3. Wasser und Strom haben die BesetzerInnen zum Zeitpunkt der Besetzung und gestern abgelesen und werden ihn, wie in der Grevener Straße 59 selbstverständlich bezahlen.

4. Die Forderungen des Vereins sind keineswegs unrealistisch. Es gibt leerstehende Gebäude der Stadt, die eine solche Größenordnung aufweisen.

5. Meines Wissens ist der Anteil der Sozialwohnung nicht so hoch, sondern liegt bei etwa 50 Prozent. Ich kann die entsprechenden Belege jetzt gerade nicht finden, werde das nachtragen. In jedem Fall wird es hinterher weniger Sozialen Wohnraum geben, als vorher. Auch im bereits erfolgten Neubau im Bereich der Grevener Straße 59 ist dies zu sehen.

Beste Grüße
Olaf

Freispruch für Besetzer der Grimm-Schule « Unabhängiges Fachschaften-Forum

24. August 2010 um 16:34 Uhr

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