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21Jun2009

Der Bologna Prozess – Fluch oder Segen?

von ufafo.ms in Bildungsproteste, Studienbedingungen

Auf dem Podium: (v.li., Wolf-Dieter Narr, Alexander Katzer, Jörg Rostek (Moderation), Adrian Ziomek

Auf dem Podium: (v.li., Wolf-Dieter Narr, Alexander Katzer, Jörg Rostek (Moderation), Adrian Ziomek, Bild: Hüsing)

Diese Frage erörterten in der Bildungsstreikwoche Wolf-Dieter Narr, Alexander Katzer und Adrian Ziomek in der Aula am Aasee bei einer Podiumsdiskussion. Ca. 70 Besucherinnen und Besucher hörten zu und diskutierten kräftig mit. Der Diskussionsbedarf war so groß, dass die Veranstaltung um 90 Minuten verlängert wurde.

Wolf-Dieter Narr

Gescheitert

Wolf-Dieter Narr, emeritierter Professor für Politikwissenschaft (Freie Universität Berlin) und Gründungsmitglied des „Komitees für Grundrechte und Demokratie“, ließ  in seiner Interpretation des Bologna-Prozesses keine Missverständnisse aufkommen. „Bologna ist auf ganzer Linie gescheitert. Ein Menschenkind muss nach dem Besuch einer Hochschule urteilsfähig sein. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Der Bologna-Prozess ist kein Lehrprozess, sondern ein Entleerungsprozess“, meinte er.

Adrian Ziomek, Bild: Hüsing

Adrian Ziomek, Bild: Hüsing

Braucht Zeit

Adrian Ziomek, Vorstandsmitglied der CDU-Münster und Beauftragter für Hochschule und Stadtgesellschaft, hielt dem entgegen, dass der Bologna-Prozess durchaus dazu beigetragen hätte „die Studenten besser für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.“ Die Studiengänge seien jetzt „vergleichbarer“, das Studium „straffer“ und deshalb „leichter abzuschließen“. Er bestätigte, dass der Bologna-Prozess teilweise mangelhaft umgesetzt worden sei, aber eine gute Reform brauche Zeit.

Alexander Katzer, Bild: Hüsing

Alexander Katzer, Bild: Hüsing

Falsch verstanden

Alexander Katzer, promovierender Student an der Universität Münster, ehemaliger AStA-Referent für LehrerInnenbildung und Studienreform und Mitglied des Koordinierungsausschusses des studentischen Akkreditierungspools, bemängelte, dass die studentische Stimme bei der Umsetzung des Bologna Prozesses zu wenig Gehör fände. Der Bologna-Prozess sei in vielen Dingen „fehlinterpretiert“ worden. „Deutschland hat den Bologna-Prozess nicht verstanden“, konstatierte er. „Der Bologna-Prozess lässt prinzipiell eine Menge Freiheit zu, aber das wird von den Hochschulen nicht verstanden. Beide sind schuld: diejenigen, die Bologna falsch umgesetzt haben und die Politik, die dies zugelassen hat.“ Er rief die Studierenden dazu auf Alternative Studienordnungen zu entwerfen und einzubringen. Auch einen längeren Boykott deutscher Hochschulen befürwortete er ausdrücklich. Studierende, Fachschaften und AStA müssten ihre Erfahrungen bündeln, um sich zu Wehr zu setzen.

Kritisches Publikum

Kritisches Publikum, Bild: Hüsing

Kritisch

Das Publikum stand den Ergebnissen des Bologna-Prozesses größtenteils ablehnend gegenüber. Die Wortbeiträge zu den eingeführten Credit-Points, der Verschulung des Studiums und der Arbeitsmarkt orientierten Umstrukturierung der Hochschulen waren ausnahmslos kritisch. Es wurde deutlich, dass die ursprünglichen Ziele des Bologna-Prozesses wie die Schaffung leicht verständlicher, vergleichbarer Abschlüsse, die Beseitigung von Mobilitätshemmnissen und die Förderung europäischer Zusammenarbeit zahlreichen Studierenden nicht bewusst sind, da diese an den Hochschulen nicht Realität werden.

Mehr Mitbestimmung

„Durch die vielen Wortbeiträge gelang es, den Bologna-Prozess zu analysieren und  aufzuzeigen, dass sich an den Hochschulen Anspruch und Wirklichkeit zusehends weiter voneinander entfernen. Wir haben nach Ursachen für Probleme, wie die zunehmende Verschulung und die Entdemokratisierung der Hochschulen, gesucht und diese teilweise auch gefunden. Ich bin mir sicher, dass das Bedürfnis der Studierenden nach mehr Mitbestimmung deutlich wurde. Dass die Diskussion um mehr als eine Stunde verlängert werden musste, zeigt, dass da noch viel Diskussionsbedarf besteht“, kommentiert Lukas Drees, Mitorganisator der Podiumsdiskussion, das Geschehen.

2 Kommentare zu Der Bologna Prozess – Fluch oder Segen?

Der Bologna-Prozess: Reform oder Misere? | moritzhanebeck.de

2. Juli 2009 um 17:32 Uhr

[…] Podiumsdiskussion an der Uni Münster […]

Henrike R

11. Januar 2010 um 13:56 Uhr

Am 13. Januar ist Bolognatag an der WWU – aber geht da wer hin?
Hier gibt es Infos: http://www.twiturl.de/mzbologna
Fehlt was auf der Seite? Gibt es weitere Fragen? Her damit, wir versuchen sie zu beantworten. Die Redaktion der Münsterschen Zeitung.

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