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06Nov2009

Rektorat ließ räumen und zeigte Schwäche

von ufafo.ms in Bildungsproteste

gemeinsam stark

Gemeinsam stark! Die Polizei markierte die BesetzerInnen bei der Personalienaufnahme mit schwarzen Kreuzen.

Das Rektorat der Univerisität Münster hat gegen 6.00 Uhr die Besetzerinnen und Besetzer von der Polizei räumen lassen. Die BesetzerInnen hielten den Audimax der Uni Münster besetzt, um ihren Forderungen nach Abschaffung von Studiengebühren und der Demokratisierung „ihrer Hochschule“ Nachdruck zu verleihen. Obwohl die BesetzerInnen in ihren Schlafsäcken überrascht wurden, verlief die Räumung absolut friedlich. Die Besetzung des Audimax dauerte zwei Tage.

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Szene vor dem Englischen Seminar nach der Räumung

Die BesetzerInnen bezeichnen das Rektorat der Universität Münster auf ihrer Homepage als „das uneinsichtigste Rektorat Deutschlands“. „Die frühe Räumung ist ein Zeichen von Schwäche. Sie zeigt, dass dem Rektorat die Argumente fehlen. Statt mit uns die Uni Münster zu gestalten, setzt es auf Polizeigewalt“, zeigt sich einer der BesetzerInnen enttäuscht. Die BesetzerInnen betonten, dass die Besetzung eine offen Aktion gewesen sei. Studierenden, SchülerInnen, Lehrende, Eltern; allen war der Audimax frei zugänglich. Mit den Hausmeistern habe man in einem freudlichen und kooperativen Verhältnis gestanden.

Dies mit einer Räumung zu quittieren, sei der Beweis, dass das Rektorat keine Diskussion zwischen Gleichgestellten zulassen wolle. „Wer Argumente hat, lässt nicht räumen“, äußerte sich eine Besetzerin. „Wir haben den Verdacht, dass die Rektorin die Besetzung nicht politisch beurteilt, sondern persönlich genommen hat.“ Silja Fehn, Kustodin des Englischen Seminars, meinte, es hätte allezeit ein „entspanntes und freundliches Verhältnis“ zwischen ihr und den BesetzerInnen geherrscht.

#Offen und demokratisch

Durch die Räumung, so die BesetzerInnen, sei einer der wenigen Räume nun verloren gegangen, in dem Menschen offen und demokratisch über Bildungspolitik sprechen konnten. Dennoch müsse die Diskussion um das Bildungssystem von morgen fortgesetzt werden – und zwar auf gleicher Augenhöhe zwischen den DiskussionsteilnehmerInnen; so wie das in den vergangenen zwei Tagen mit hunderen Studierenden und tausenden Schülerinnen und Schüler im Audimax geschah.

Friss meine Shorts!

Friss meine Shorts!

Die BesetzerInnen erklärten, ihre Arbeitskreise aufrechtzuerhalten und Arbeit fortsetzen zu wollen. Der aktuellen zunehmend marktgesteuerten Bildungspolitik wollen sie ihre eigenen Ideen und Konzepte entgegenhalten. Die Bildungspolitik, so schrieben sie bereits in ihren Forderungen, müsse darauf ausgerichtet sein, Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft zu verhindern. Der Bildungsprozess müsse hürdenlos ausgestaltet sein und dürfe nicht zu Überlastung und „Bulemielearning“ führen. Das Bildungssystem müsse endlich ausreichend öffentlich finanziert werden. Eine Privatisierung der Bildungskosten, so die BesetzerInnen sei keine Lösung, sondern Teil des Problems. Die Vielfalt von Forschung und Lehre sei dringend zu erhalten, weil diese den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess grundlegend ermögliche.

Weitere Infos:

Homepage der BesetzerInnen

Homepage des Bildungsstreiks

5 Kommentare zu Rektorat ließ räumen und zeigte Schwäche

Anonymous

6. November 2009 um 19:34 Uhr

Ihr sagt, das euch ein Raum genommen wurde um über Bildungspolitik zu diskutieren. Ist der AStA so Studierendenfeindlich, das man dort nicht über Bildungspolitik sprechen kann? Der hat schliesslich nicht nur einen Raum, sondern ein ganzes Gebäude für Arbeitskreise, Aktionen, Diskussionen und Aufklärung und dazu noch bezahlte ReferentInnen. Und ist die Baracke nun auf einmal abgerissen worden? Dort ist ein Raum, der seit Jahren den Studierenden zur freien Nutzung überlassen wurde, egal ob nun Fachschaftsarbeit, Party oder eben Diskussionen über das Bildungssystem. Ich würde sogar so weit gehen, dass die Universität jeden beliebigen Raum relativ unbegrenzt zur Verfügung stellen würde, damit dort konstruktive, zielführende Diskussionen zur Verbesserung der Lehre und Studienbedingungen durchgeführt werden können, wenn sie nur gefragt würden. Der AStA hat immerhin früher auch Veranstaltungen zum Studiengebührenboykott oder zum Thema Studienreform in Räumlichkeiten der Universität durchgeführt. Wieso veranstaltet der AStA nicht eine Diskussionsveranstaltung im F1 und lädt dort großflächig hin ein um dort über so etwas zu diskutieren? Dann könnte man z.B. einmal konkrete Forderungen formulieren und diese dann an die entsprechenden Stellen in der Universität richten. Wenn sich diese Stellen dann weigern darüber zu reden oder die konstruktiven Vorschläge ablehnen, dann kann man immer noch Gebäude besetzen. Dann kommen einem aber auch eben nicht die Hälfte der Leute aus dem besetzten Raum entgegen und schütteln mit dem Kopf, weil sie die Aktion für falsch halten.

Jörg

6. November 2009 um 20:51 Uhr

Tatsächlich ist es so, dass sich bereits bereits diverse Arbeitskreise im AStA treffen. Der AstA-Plenumsraum kann in etwa 20 Leute fassen. Dort wird angeregt über Hochschulpolitik diskutiert und es gibt sogar Kaffee und gemütliche Sofas.
Es stimmt auch, dass die Uni Münster Hochschulgruppen Räume überlässt. Die Bildungsstreik-Initiative beispielsweise koordiniert ihren Raumbedarf über den AStA.

Doch leider können noch so gut und fundierte Konzepte ausgearbeitet werden, ihnen wird selten Gehör‘ geschenkt. Man denke nur daran, wie viele Organisationen es gibt, man nehme nur mal NGOs, die interessante Ideen und Projekte entwickeln, diese jedoch kaum von Parteien und Regierungen berücksichtigt werden, weil diese deren Interessen widersprechen. Es ist nun mal nicht so einfach, wie du schreibst. Ich wünschte, es wäre anders.

Ich glaube eher, dass ein Teil des Problems eher in der Struktur der Uni Münster zu suchen ist. Studierende werden dort stark benachteiligt. Deshalb suchen die Studierenden Aktionen, die dafür sorgen, dass Öffentlichkeit und Diskussion über deren politische Inhalte entsteht.

Ich denke, dass es sehr mutig von den Besetzerinnen und Besetzern war, den Weg der Besetzung des Audimax zu gehen. Es ist nich angenehm, ständig Angst vor dem Auftauchen der Polizei zu haben. Das sollte man respektieren. Ebenso wären die Besetzerinnen und Besetzer kaum mit so vielen Schülerinnen und Schülern in Kontakt gekommen wie durch die Besetzung des Audimax. Dass dort gleichzeitig der Hochschultag stattfand war für die Engagierten sehr glücklich.

Es ist wirklich einfach, einfach den Kopf zu schütteln. Viel schwerer ist es ihn zum Denken zu benutzen und sich mit den Themen, die einen direkt betreffen (Studiengebühren, Hochschulrat, Hochschuldemokratie, soziale Selektion, etc.) zu beschäftigen, ständig gegen Widerstände zu stoßen, aber trotzdem nicht aufzugeben.

Anonymous

6. November 2009 um 22:58 Uhr

Lieber Jörg,
deine Antwort ist ja ganz nett, nur sieht man daran auch, das es bei dir an der Reflektion krankt. Der einzig interessante Teil deiner Antwort ist:

„Viel schwerer ist es ihn zum Denken zu benutzen und sich mit den Themen, die einen direkt betreffen (Studiengebühren, Hochschulrat, Hochschuldemokratie, soziale Selektion, etc.) zu beschäftigen, ständig gegen Widerstände zu stoßen, aber trotzdem nicht aufzugeben.“

Du sprichst hier genau eine einzige Problematik an, die die Studierenden momentan evtl. stört. (Studiengebühren) Alles andere sind Sachen die dich als Hochschulpolitiker stören, aber dem normalen Studi erst einmal am Arsch vorbei gehen. Für den normalen Studierenden ist ein einfaches Verwaltungssystem, faire Prüfungen, gute Lehrveranstaltungen und die Möglichkeit diese zu besuchen wichtig. (letzteres umfasst sowohl die zeitliche Planung von Seiten der Universität, als auch die Belastung für den einzelnen Studierenden und die finanziellen Herausforderungen, die dadurch entstehen.) Ob an der Spitze der Hochschule ein Hochschulrat, eine Rektorin oder ein Präsident steht, ist dem normalen Studierenden egal und auch Mitbestimmung ist dabei nicht wichtig.

Mitbestimmung ist für die Studierenden erst dann wichtig, wenn es nicht in ihrem Sinne funktioniert. Da haben wir ehrlich gesagt in Deutschland gegenüber fast dem gesamten Rest der Welt eine sehr privilegierte Stellung und in NRW sogar noch viel stärker, wenn man uns mit Bayern oder BaWü vergleicht. Bisher nutzen die Studierenden diese Mitbestimmungsmöglichkeiten jedoch kaum. Mir ist nicht bekannt, das es eine Liste mit realistischen Verbesserungsvorschlägen von Seiten der Studierenden in den letzten Jahren gegeben hätte. Oh, natürlich gab es eine ganze Reihe von Anträgen. „Studiengebühren abschaffen“, „Anwesenheitspflicht abschaffen“ Aber das waren alles einfache Pauschalforderungen, welche einer genaueren Betrachtung der Realität nicht standgehalten haben. Ein realistischer Antrag wurde bisher nocht nicht gestellt. Und ich garantiere dir, das der Senat entsprechenden Forderungen zustimmen würde.

Was ihr hier schlussendlich die gesamte Zeit zelebriert, ist ein schön einfaches Feindbild. Früher war es der Russe oder Springer, heute ist es das Rektorat und alle die bei der Uni in Lohn und Brot stehen. In Diskussionen wird immer nur nach den maximalst divergierenden Positionen gesucht (Kommunismus/Kapitalismus, (keine) Studiengebühren) und damit stehen eben nicht Verhandlungspartner, sondern unerbittliche Feinde auf der anderen Seite. Und das ist völliger Quatsch. Die Aufgabe der Universität ist es, das Maximum an Bildung unter das Volk zu bringen. Jeder Professor und jede Professorin, die an dieser Universität lehrt, tut dies weil sie die Vermittlung von Wissen toll finden und fördern wollen. Wenn sie einfach nur still irgendwo forschen wollten, könnten sie in reine Forschungsinstitute gehen oder in der freien Wirtschaft arbeiten. Diese Leute sind in Wahrheit die größten Freunde, die die Studierenden in Deutschland überhaupt haben können und sie sind der Hebel, mit dem man den Rest der Bevölkerung (z.B. die entscheidenden Politiker) von seinen Zielen überzeugen kann.

Statt jedoch mit diesen Leuten an einem Strang zu ziehen, werden sie beleidigt, sowohl verbal als auch vom Habitus, der ihnen entgegen gebracht wird. Sie werden zu Feinden erklärt und die eigentlich sehr enge Verbindung zwischen Studierenden und Universitätsmitarbeitern zerstört. Tut uns allen doch einmal den Gefallen und verhaltet euch gegenüber diesen Leuten so, wie ihr es euch wünschen würdet, das sie mit euch umgehen.

Anonymous

7. November 2009 um 22:23 Uhr

Um meine These zu untermauern, das Professoren wirklich doch Menschen, und nicht Kinder-fressende Studentenhasser sind, hier ein Link zu einem der größten Informatiker unserer Zeit: http://www-cs-faculty.stanford.edu/~uno/retd.html

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