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20Mai2010

„Wir wollten keine Statisten sein!“ – Bildungsstreik-Aktive verlassen aus Protest Bologna-Konferenz/Presseschau zum Thema

von ufafo.ms in Bildungsproteste

Studierende der Humboldt Uni Berlin übertrugen Bologna-Gipfel live in den Audimax. Hannah Eberle spricht ins Mikrophon. (Foto: Rostek)

Die beiden Bildungsstreik-Aktivisten Hannah Eberle und Jakob Lohmann (siehe Radiointerview) haben heute die sogenannte „Bologna-Konferenz“ aus Protest vorzeitig verlassen. Ihr Grund: sie wollten die „Schavan-Show“ durch ihre Anwesenheit nicht legitimieren.

„Dies ist keine Konferenz zur Lösung von dringenden Problemen, sondern eine inszenierte Komödie zur Rechtfertigung der Entscheidungen der vergangenen Jahre,“ erklären Hannah Eberle und Jakob Lohmann, Bildungsstreik AktivistInnen aus Heidelberg und Freiburg, und ergänzen: „Es gelingt dem Ministerium nicht über den eigenen Tellerrand zu sehen. Die Themen über die wir sprechen wollen, werden nicht zugelassen. Die Forderungen von Tausenden nach Demokratie und sozialer Gerechtigkeit werden ignoriert. Wir wollen uns an diesem Treiben nicht mitschuldig machen. Deshalb haben wir diese Schavan-Show verlassen.“

Von Anfang an setzten, die Aktivist_innen des Bildungsstreiks nicht viel Hoffnung in die Konferenz, doch einen solche Konferenz, die zunächst einen Dialog fördern sollte, wollte man weder einfach so verstreichen, noch sie am Ende ganz ohne die Anwesenheit kritischer BildungsstreikerInnen vorüber gehen lassen. Doch der Verlauf der Veranstaltung, spiegelte die im Voraus inhaltliche und strukturell angebrachte Kritik auf ganzer Linie wider.

Jörg Rostek vor dem Gipfel-Gebäude in Berlin. Zutritt war nur geladenen Gästen gestattet.

Gleichberechtigung sieht anders aus

„Wir sind keine Statisten, sondern wollen gleichberechtigt sein. Diese Konferenz spiegelt im Großen wieder, was wir Studierenden täglich an Hochschulen erleben“, so Lohmann. Hannah Eberle ergänzt: „Informationen wurden uns vorenthalten. Im Alleingang hat das BMBF vor der Konferenz das Endergebnis bestimmt und die von uns geforderten substantiellen Veränderungen ignoriert.“

Bereits Wochen vor der Bologna-Konferenz litten die beteiligten Bildungsstreikenden darunter, dass von ihnen vorgeschlagene Themen wie die mögliche Ausfinanzierung des Bildungssystems, die Demokratisierung der Bildungseinrichtungen, die soziale Selektion im Bildungswesen sowie die Berücksichtigung der Lebensrealität der Studierenden nicht zugelassen wurden. Schließlich wurde sogar die Anzahl der studentischen VertreterInnen reduziert, dann die der Zutritt für Interessierte verboten, die Zeit auf vier Stunden gekürzt  und schließlich auch noch die Übertragung an den Hochschulen, nicht wie versprochen gefördert.
Hannah Eberle stellt fest: „Die Politik ist nicht bereit die Misere im Bildungssystem zu erkennen und doktert an Details der Bologna-Reform herum, die schnellen Erfolg versprechen.

Gegengipfel an der Humboldt Universität. (Foto: Rostek)

Ein Traum vom „Happy-End“

Jakob Lohmann skizziert seine Wunschergebnisse einer gelungenen Bologna-Konferenz mit gleichberechtigten TeilnehmerInnen: „Gemeinsam einigen wir uns auf eine Ausweitung und Erhöhung des Bafög, einen „freien“ Workloads, auf mehr Flexibilität innerhalb des Studiums und das Ende des andauernden Klausurstresses. Das Bulimie-Learning wäre endlich vorbei. Es gäbe einen Rechtsanspruch auf einen Masterstudienplatz. In Baden Württemberg und Bayern wird die Verfasste Studierendenschaft wieder eingeführt, es würden neue Diskussionen über die „demokratische Hochschule“ vorangetrieben und überall die studentische Mitbestimmung ausgebaut. Die Länder und der Bund würde sich verpflichten mindestens 10 Prozent des BIPs zweckgebunden in ALLE Bildungsinstitutionen zu investieren. Die Verantwortlichen müssen sich zu einem klaren Kurswechsel bekennen und ihn gesetzlich festschreiben. Außerdem gäbe es noch eine eigene Konferenz zur Schulpolitik.“

Foyer der Humboldt Universität Berlin (Foto: Rostek)

Fazit des Gipfels und Gegengipfel

Die Nationale Bologna-Konferenz hat weder den Willen zur Ausfinanzierung des Bildungssystems, noch den politischen Willen zu nachhaltiger Veränderung des Bildungswesens offenbart. „Der von uns gewünschte Kurswechsel muss also weiter von der Straße aus erkämpft werden“, so Hannah Eberle und Jakob Lohmann. Beide besuchten, nachdem sie die die Nationale Bologna-Konferenz verlassen hatten, den „Schluss mit dem Schavansinn“-Gegengipfel im Audimax der Humboldt Universität.

Presseschau Bologna-Gipfel und Bundesweiter Bildungsstreik

17.05.2010, rp-online: Bis 2020 zusätzlich zwei Milliarden für die Lehre
http://www.rp-online.de/wissen/Bis-2020-zusaetzlich-zwei-Milliarden-fuer-die-Lehre_aid_858258.html

17.05.2010, fr-online: Zwei Milliarde für eine bessere Lehre
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2655836_Zwei-Milliarden-fuer-eine-bessere-Lehre.html

17.05.2010, Spiegel online: Die Schavan-Show zur Rettung des Bachelor
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,695103,00.html

17.05.2010, Welt online: Studenten Eklat bei Schavan-Uni-Konferenz
http://www.welt.de/politik/deutschland/article7671779/Studenten-Eklat-bei-Schavans-Uni-Krisenkonferenz.html

17.05.2010, Süddeutsche Zeitung: Randale während der Schavan-Show
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/263/511370/text/

17.05.2010, MDR: Schavan kündigt Milliardenprogramm für Studium an
http://www.mdr.de/nachrichten/7334302.html

17.05.2010, Neues Deutschland: Uni Gipfel fast ohne Studenten
http://www.neues-deutschland.de/artikel/171181.uni-gipfel-fast-ohne-studenten.html

17.05.2010, tageszeitung: Ohne Fahrplan
http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-uni/artikel/1/ohne-fahrplan/

17.05.2010, Der Tagesspiegel: Akademie für Lehre
http://www.tagesspiegel.de/wissen/akademie-fuer-lehre/1840604.html

17.05.2010, Junge Welt: Streit bei Schavans Bildungsgipfel
http://www.jungewelt.de/2010/05-18/052.php

17.05.2010, news.de: Zwei Milliarden für mehr Unis
http://www.news.de/gesellschaft/855057326/zwei-milliarden-mehr-fuer-die-unis/1/

17.05.2010, wiwo.de: Finanzverwirrung bei Bologna-Gipfel
http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/finanz-verwirrung-beim-bologna-gipfel-430705/

Berichterstattung zum Gegengipfel!

17.05.2010, iley.de: Kleiner Gipfel gegen Schavaaansinn
http://iley.de/index.php?pageID=20000000&article=00001555

17.05.2010, Neues Deutschland: Evo Morales nimmt auch an Gegengipfel teil;)
http://www.neues-deutschland.de/artikel/171163.evo-morales-nimmt-auch-am-gegengipfel-teil.html

17.05.2010, Deutschlandfunk: Studentischer Gegengipfel
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1185022/

17.05.2010, Studierende sagen – das ist der Gipfel
http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/studierende-sagen-das-ist-der-gipfel/

2 Kommentare zu „Wir wollten keine Statisten sein!“ – Bildungsstreik-Aktive verlassen aus Protest Bologna-Konferenz/Presseschau zum Thema

  Bildungsstreik kritisiert „Gipfel gegen Eisberg“ – Zweiter Akt der Schavan-Show  by www.ufafo.ms

5. Mai 2011 um 16:53 Uhr

[…] des Bildungsstreiks scharf kritisiert. Mehrere Aktivisten hatten die Veranstaltung damals vorzeitig verlassen. Zu recht, wie sich herausstellte, denn die Ohnmacht aller Hochschulangehörigen blieb angesichts […]

  So protestierte Münster gegen Studiengebühren – eine Chronologie by www.ufafo.ms

12. Dezember 2011 um 14:33 Uhr

[…] 20. Mai: Bildungsstreik-Aktive verlassen aus Protest Bologna-Konferenz […]

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