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20Sep2010

Bücherverbrennung: Reflexive Erinnerungskultur ist nötig

von ufafo.ms in Allgemeines

Der "Zwinger" als Vorbild einer reflexiven Erinnerungskultur. (Foto: Rostek)

In der vergangenen Sitzung des Studierendenparlaments verabschiedeten die ParlamentarierInnen eine Resolution zur Errichtung eines Mahnmals auf dem Schlossplatz im Gedenken an die Bücherverbrennung durch die nationalsozialistischen münsteraner Studierenden am 10. Mai 1933.

Die Resolution wurde von der Juso-HSG eingebracht und verlangt vom AStA der Uni Münster, sich dafür einzusetzen, „zeitnah ein Mahnmal zur Bücherverbrennung (…) auf dem Schlossplatz zu realisieren.“ Die uFaFo-Fraktion hat sich der Idee angeschlossen und für die Resolution gestimmt. Aber wenn ein Mahnmal, welcher Art sollte es sein? An wie vielen Mahnmalen laufen wir täglich vorbei ohne sie zu bemerken oder zu wissen, warum sie aufgestellt wurden? Um ein solches Szenario auf den Schlossplatz zu verhindern, empfiehlt die uFaFo-Fraktion ein Mahnmal, dass die Voraussetzungen einer „reflexiven Erinnerungskultur“ erfüllt.

Zwinger war Heim der münsteraner Hitlerjugend. (Foto: Rostek)

Jörg Rostek, ehem. AStA-Referent für politische Bildung und demokratische Rechte, weist auf die Gefahren eines unreflektierten „Gedenkwesens“ hin: „Gedenktage und Mahnmale verkommen schnell zu inszenierten und öffentlich dargestellten seelenlose Ritualen. Ein Mahnmal ist keine Garantie für einen kritischen Umgang mit dem Nationalsozialismus. Im Gegenteil. Durch Monotonie und Lebensferne kann es dazu führen, dass Menschen von der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus abgestoßen werden.“

Ein Musterbeispiel für „reflexive Erinnerungskultur“ ist das Kunstwerk von Rebecca Horn im Mahnmal „Zwinger“. Das Runde Gebäude war unter anderem Kulturheim der Münsteraner Hitlerjugend. Bis bis zu seiner Teilzerstörung durch Bombentreffer Ende 1944 diente es als Inhaftierungs- und Hinrichtungsstätte der Nazi-Gestapo. Im Rahmen der „Skulptur Projekte in Münster 1987“ installierte die Künstlerin im Inneren das „gegenläufige Konzert“. Es besteht aus zahlreichen Hämmern, die in unregelmäßigen Abständen an die Wände klopfen. Das Kunstwerk erinnert an die im 17. Jahrhundert dort inhaftierten Zuchthausinsassen, aber auch an die Gefangenen der Nazi-Schergen, und erzeugt eine so eindringliche Stimmung, dass sich das Leid, das in diesem kargen Gebäude empfunden worden ist, teilweise erahnen lässt.

Im Zwingerinnenhof führte die Gestapo Hinrichtungen aus. Die Gefangenen schauten durch die kleinen Fenster zu. (Foto: Rostek)

Der Zwinger liegt an der Promenade im Bereich Lotharingerstraße. Er soll aber nach der Durchsetzung des Sparpakets der Stadt Münster bald nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich sein. Da darf die Frage gestellt sein, was ein Mahnmal auf dem Schlossplatz hilft, wenn ein anderes gleichzeitig geschlossen werden soll.

Für die Uni Münster und insbesondere für ihre Studierenden wird es eine große Herausforderung sein, ein Mahnmal zu errichten, das die Schande der damaligen Zeit und die bleibende Verantwortung der Universitätsangehörigen vermitteln kann. Doch wie schafft man es, die Ausgrenzungs- und Tötungsbereitschaft der NazionalsozialistInnen verständlich zu machen? Wie weist man auf normative Veränderungen hin, welche dazu führen, dass Menschen Bücherverbrennungen befürworten und Massengewaltprozesse erst möglich machen? Wie kann die Uni Münster, die selbst ihre nationalsozialistische Vergangenheit lange verleugnet hat und nicht aufarbeiten wollte, ihr Wissen in einem Mahnmal so zusammentragen, dass es zu sozialem Handeln führt und die Menschenrechte stärkt?

„Entscheidend ist nicht die Geste, das Gedenken fördern zu wollen, sondern vielmehr ein gelungenes Konzept und die ehrliche Bereitschaft, sich der Auseinandersetzung fortwährend zu stellen“, erklärt Rostek.

1 Kommentar zu Bücherverbrennung: Reflexive Erinnerungskultur ist nötig

  Antikriegstag und ein Programm für den Frieden by www.ufafo.ms

5. September 2011 um 11:09 Uhr

[…] der Deutschen Wehrmacht in Polen, dem Beginn des II. Weltkrieges, erinnerte der DGB vor dem Zwinger in Münster an die Verantwortung der Nachgeborenen. Unter anderem forderte der DGB Münster den […]

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