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01Nov2010

Semesterticket-Debakel fordert erstes Opfer

von Jörg Rostek in Allgemeines, Semesterticket

Ins seit Wochen tobende Semesterticketchaos kommt Bewegung. Doch nicht etwa, wie man hoffen sollte, in Form von Lösungsvorschlägen oder Ergebnissen, sondern indem personelle Konsequenzen gezogen werden: Die AStA-Vorsitzende Clarissa Stahmann (Juso-HSG) hat den Referenten für Frieden und Internationalismus, Tim Fürup (Linke.SDS), rausgeschmissen – mit Zustimmung von Juso-HSG und Campusgrün. Damit hat der AStA eines der wenigen kompetenten und tätigen Mitglieder verloren.

Wer’s Maul aufmacht, fliegt raus

Tim wurde aus dem AStA entlassen, weil er das intransparente Verhalten und die chaotischen Zustände beim Semesterticket bemängelte. Außerdem verweigerten er und seine Genossen die Zustimmung zum von Jusos und Campusgrün durchgepeitschten Semesterticketvertrag, der – wie die AStA-Vorsitzende Clarissa inzwischen selbst einräumen musste – fehlerhaft war und deshalb auch nicht unterzeichnet wurde. Erst nach diesem Debakel hatte Clarissa sich bereit erklärt, wichtige Dokumente, z.B. die Verhandlungsprotokolle, allen Parlamentarierinnen und Parlamentariern des Studierendenparlaments zugänglich zu machen. In der vergangenen Sitzung am 25.10. beschwerten sich Clarissa und andere Jusos überraschenderweise über Tims Verhalten im AStA, sie monierten, dass er wenig arbeite und viel streite. Tim konnte diese Vorwürfe durch das Vorstellen seiner Projekte und Tätigkeiten vollständig entkräften. Dann nörgelte Clarissa rum, dass es nunmal nicht gehe, dass Tim ihr in einer öffentlichen Sitzung sein Vertrauen abspreche. Sie hat wohl übersehen, dass es auch sonst kaum noch jemanden im Studierendenparlament gibt, der ihr noch zutraut, das Semesterticket aufs Gleis zu setzen.

Kaltes Wahlkampfkalkül

Das uFaFo vermutet dahinter kaltes Kalkül: Die Jusos wollen die Vertragsverhandlungen schnell und lautlos vom Tisch haben, weil sie das Thema im Wahlkampf missbrauchen wollen. Wie in den vergangenen Jahren wollen sie wieder mit ihrer angeblichen „Rettung des Semestertickets“ schlecht informierte Studierende an der Wahlurne einseifen. Kritiker stören da nur, weshalb Tim abgewatscht wurde. Das ist auch ein Wink an den Rest der maroden AStA-Mannschaft, die damit ruhig gestellt werden soll. So haben es auch die Piraten, die derzeit noch mit den Jusos im AStA zusammenarbeiten, verstanden. Doch sie geben sich kämpferisch:

„Alle anderen Listen müssen sich nun fragen, ob auch sie noch kurz vor Ende der Legislatur rausgeworfen werden, wenn sie den Jusos nicht nach der Pfeife tanzen. Zumindest aus Sicht der Piraten können wir da nur sagen: Auf dem Ohr sind wir taub. Wir denken selber.“ (Homepage der Piraten-HSG)

„Wir haben leider eine AStA-Vorsitzende, die auch noch die dümmsten Fehler begeht und mit berechtigter Kritik nicht umgehen kann. Tim jedenfalls hat bewiesen, dass er ein kritischer Geist ist. Er hat seine Arbeit im AStA gut gemacht. dafür gebührt ihm Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit. Deshalb habe ich gegen seine Entlassung gestimmt. Statt seiner wäre es besser gewesen, die inkompetente AStA-Vorsitzende vor die Tür zu setzen“, meinte Jochen (uFaFo-Parlamentarier) nach der Sitzung.

Geopfert auf dem Altar der Befindlichkeiten

Einen Kritiker glaubt Clarissa so losgeworden zu sein, doch die Kritik wird nur umso lauter. Inzwischen mehren sich die Beschwerden von Studierenden, die ihr Ticket für das laufende Semester noch immer nicht erhalten haben, doch vom AStA haben sie offenbar keine Unterstützung zu erwarten (siehe Schon November und du hast noch immer kein Semesterticket?). Jusos und Campusgrün scheint das egal zu sein. Clarissa jedenfalls faselte etwas Unverständliches von ihrer Würde, die sie durch die weitere Zusammenarbeit mit Tim, die immerhin ein dreiviertel Jahr lang ohne Probleme möglich war, gefährdet sähe…

3 Kommentare zu Semesterticket-Debakel fordert erstes Opfer

Karl

2. November 2010 um 16:28 Uhr

Sehe ich das richtig, erst lehnt das ufafo einen gutes Verhandlungsergebnis ab und will lieber eine Bahncard für alle, jetzt kann es doch nicht schnell genug gehen?

Jochen Hesping

4. November 2010 um 22:15 Uhr

hallo karl! ein gutes verhandlungsergebnis hat bisher gar nicht vorgelegen, also müssen wir weiterhin für ein faires semesterticket kämpfen. dabei drücken wir nicht unbedingt aufs tempo, schließlich kommt es auf ein paar wochen nicht an. es ist aber doch erstaunlich, daß alle anderen hochschulen in münster bereits einen neuen vertrag mit den verkehrsunternehmen vereinbart haben, nur der asta der uni noch nicht. dabei ist es vollkommen ausgeschlossen, daß wir etwas anderes erhalten werden, als fh oder kunstakademie, weil die bezirksregierung nur einen semestertickettarif genehmigt und der gilt dann für den gesamten bereich. wir wissen also auch, wieviel das ticket teurer wird, und dieser betrag muß in den semesterbeitrag eingepreist werden. wegen der rückmeldefristen und den damit verbundenen verwaltungsangelegenheiten muß das spätestens um weihnachten passieren, sonst haben wir im nächsten jahr kein semesterticket.

Jochen Hesping

4. November 2010 um 22:19 Uhr

p.s.: eine kostenfreie bahncard für alle – das wäre doch toll!

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