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04Jul2011

Gastbeitrag von Volker Maria Hügel: Bunt, laut, lecker – ist das genug für das ASV-Sommerfest?

von ufafo.ms in Ausländische Studierende

Das ASV-Sommerfest, das – wie jedes Jahr – vor dem münsterschen Schloss gefeiert wurde, war auch diesmal ein fröhliches Wiedersehen mit vielen Aktiven. Ein Schaulaufen von Ethnobands, farbenfrohen Tanzgruppen und vielen Ständen mit Leckereien aus einem dutzend Regionen der Erde. Die Brücke, das internationale Zentrum der WWU, bot auch diesmal wieder Kaffee und Kuchen und lud zum Verweilen im Zelt ein.

Gut, dass die Bierausschankstelle an eine Prollbeachparty erinnerte, konnte man ebenso verschmerzen wie deren kaputte Dröhnlautsprecher mit geschmacksfreier Animiermusik. Aber: Bei all der Feierei hätte es dem Fest gut getan, wenn es auch Inhalte vermittelt hätte. Wo waren die vielen kleinen Infotische der letzten Jahre mit Informationen über die Menschenrechtslage in den Weltregionen? Keine Programmpunkte zum Krieg in Libyen, kein eindeutiges Eintreten für Menschenrechte weltweit. Kein deutliches Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und den sich europaweit verschlimmernden Antiziganismus. Schlecht, wenn diese Themen keinen Raum mehr auf dem ASV-Sommerfest haben.

Nur: Zwischen den Bühnenbeiträgen hätte es genügend Raum gegeben, sich zumindest mal mit der politischen und rechtlichen Situation der ausländischen Studierenden zu beschäftigen. Das wären die ureigenen Interessen gewesen. Die Hürden, um in Deutschland studieren zu können, sind in den letzten Jahren deutlich heraufgestuft worden. Für die Zeiten von Studienbewerbung und Studienvorbereitungsmaßnahmen gilt ein Arbeitsverbot. Das bedeutet, man muss einige tausend Euro nachweisen, um einreisen zu können. Im Ergebnis kommen somit nicht unbedingt die Klügsten zum Studieren, sondern nur die, die sich das irgendwie leisten können. (Womit ich allerdings keineswegs den Hierseienden die Klugheit absprechen möchte.)

Und während des Studiums treten die Studienanforderungen oft hinter der Lebensunterhaltssicherung zurück. Regelstudienzeiten zu überschreiten kann den Aufenthalt gefährden. Studiengangwechsel ist nur im ersten Jahr problemlos möglich. Und Studienabbrecher müssen Deutschland umgehend verlassen. All diese Informationen hätten Besucherinnen und Besucher dazu bewegen können, sich mit den ausländischen Studierenden zu solidarisieren, um gemeinsam für bessere ausländerrechtliche Rahmenbedingungen zu kämpfen. Dies hätte bestimmt nicht die Feierlaune verdorben – hat es in den vergangenen Jahren auch nicht. Ergo: Bitte liebe ASV – Weniger Verpackung – und dafür mehr Inhalte.

Volker Maria Hügel

4 Kommentare zu Gastbeitrag von Volker Maria Hügel: Bunt, laut, lecker – ist das genug für das ASV-Sommerfest?

Jochen Hesping

5. Juli 2011 um 22:53 Uhr

Joachim Sommer

6. Juli 2011 um 10:33 Uhr

Niemand bestreitet, dass all die aufgeführten Probleme hätten dargestellt und auf dem Fest angesprochen und diskutiert werden müssen. Gerade die Veranstalter haben in Rundmails und Gesprächen versucht, die Vereine dazu zu motivieren, an ihren Ständen auch Inhalte zu vermitteln. Bedauerlicherweise hatte es nicht den gewüschten Erfolg.
Es soll aber nicht unterschlagen werden, dass über das ganze Semester Veranstaltungen zu den Studienbedingungen und zu den aktuellen Ereignissen in den Heimatländern angeboten wurden, die im Sommersemester (!) fast durchgehend 50 – 100 Besucherinnen und Besucher hatten. Leider haben wir dabei nur sehr vereinzelt interessierte Gäste der Presse und des uns sonst nahestehenden Umfeldes angetroffen.
Das ein Fest nicht unbedingt in dem angesprochenen Bereich so verlaufen ist wie auch von den Veranstaltern erwünscht, hat viele Gründe und kann, so glaube ich, vor dem Hintergrund von 40 Jahren Sommerfest ein Mal verschmerzt werden.
Für mich ist da ein anderer Aspekt sehr viel wichtiger und beachtenswerter: Ich bin seit 34 Jahren in der Brücke tätig und sehr viel länger in der internationalen Solidaritätsbewegung. Einmalig ist, dass hier ein wichtiger Aspekt eines solidarischen Umganges miteinander verletzt wurde: solidarisch heißt für uns auch (und nicht erst seit diesem Wochenende), sich erst mit den Betroffenen zusammenzusetzen, um die berechtigten Kritikpunkte zu diskutieren und gemeinsam Wege zu suchen, es im nächsten Jahr in den angesprochenen Punkten besser zu machen. Niemanden von uns wäre es je eingefallen, Kritik an anderen Gruppen via WN und Gastkommentar beim UFaFo so in die Öffentlichkeit zu tragen. Und bis heute ist uns das auch von niemandem – gleich welcher Couleur – widerfahren.
Hier wurde eine Grenze überschritten, die für uns und – wie die überraschend zahlreichen Rückmeldungen an uns zeigen – für viele nicht nachvollziehbar ist. Und leider wurde hier ungewollt auch eine Gruppe bedient, die freudig erregt über einen so exponierten und tadellosen Kritiker, den WN-Artikel aufgreift, um die ausländischen Studierenden in ihrer „Unfähigkeit“diffamieren.
Also beim nächsten Mal: Erst die Kritik mit den Betroffenen diskutieren, Gründe erfragen etc. und wenn das nicht fruchtet, dann WN, WDR, MZ, UFaFo ….

Olaf

6. Juli 2011 um 13:33 Uhr

Hallo Joachim,

ich kann nachvollziehen, dass zunächst die Kritik auf die diesjährige Veranstaltung bezogen wird und für die OrganisatorInnen als Kritik an ihrer Arbeit wahrgenommen wird.
Die Entpolitisierung des Sommerfestes ist jedoch ein schleichender Prozess, der leider in den vergangenen Jahren noch zugenommen hat. Es ist ja auch nicht so, dass diese Problematik nicht in den vergangenen Jahren schon öfters an AStA und ASV herangetragen wurde.
Wenn du das Sommerfest heute mit den Anfängen vergleichst, wirst du auch Unterschiede feststellen, die diese Entwicklung unterstützen. So war es zu Beginn in den 80er Jahren verpflichtend für alle teilnehmdenen Vereine, auch Informationen anzubieten neben ihren kulinarischen Angeboten. Hinzu kommen die verstärkte Einbeziehung kommerzieller Anbieter (warum macht die Techniker Krankenkasse auf dem Sommerfest einen Stand?) und die deutliche Anhebung der Preise für die Vereine. So war der Kostenfaktor für das uFaFo ein mitentscheidender Grund nicht am Sommerfest teilnehmen zu können.

Es mag sinnvoll sein, sich mit den OrganisatorInnen zusammenzusetzen und Kritik gemeinsam zu erörtern. Ebenso wichtig ist es aber auch, eine öffentliche Debatte über die schleichende Entpolitisierung zu führen, die sicherlich auch vielfältige unter Umständen auch gesellschaftliche Gründe hat.

Mit besten Grüßen

Joachim Sommer

8. Juli 2011 um 15:27 Uhr

Hallo Olaf,

natürlich kann man die Anfänge nicht mehr mit heute vergleichen, da die politischen und gesamtgesellschaftlichen Bedingungen grundlegend anders waren. Auch die Aktivitäten des AStA waren 1972 ganz andere als heute, ohne dass ich dafür eine öffentliche Debatte über die Entpolitisierung der Studierenden am Bespiel des AStA führen würde.
Ganz abgesehen davon ist diese Kritik nicht so neu: schon bei meinem ersten Sommerfest als Leiter der Brücke 1977 wurde mir auf den Weg gegeben, das Sommerfest zu den politischen Wurzeln zurückzuführen. Und die Sommerfeste74, 75, 76 galten immer als leuchtende Beispiele!
Ich halte es für falsch, die schleichende Entpolitisierung an diesem immer mit viel Mühe organisiertem Event fest zu machen. Da muss es andere wichtigere Anlässe geben, als dieses Fest, das gerade in diesem Jahr mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte!
Ich glaube, kein ausländischer Verein würde sich anmaßen, ein öffentlichtliches Forum zu nutzen, um vermeintliche Fehlentwicklungen bei Projekten befreundeter Vereine und Initiativen zu kritisieren. Insbesondere, da von all den angeschriebenen Gruppen (GGUA, amnesty, GfbV et.) auch niemand die Einladung der ASV genutzt hat, an eigenen Ständen – wie in der Vergangenheit – zu informieren!!
Kosten für Vereine mit Essensständen: die Vereine mit Infoständen sollten kostenlos aufbauen können. Der AStA hat im Laufe der Jahre seine Zuschüsse immer stärker reduziert (wenn schon mit früher verglichen werden soll). Die Gruppen treten auch nicht mehr für einen linken Augenaufschlag auf.
Und da glaube ich, ist eine geringfügige Erhöhung den Ständen mit Einnahmen (Infostände sind ausgenommen!) zumutbar. Woher soll das Geld sonst kommen?

Trotz allem werden die Veranstalter natürlich die Kritik im nächsten Jahr berücksichtigen und versuchen, Abhilfe zu schaffen. Gleichwohl sind wir dankbar über das unerwartet hohe und breite Aufkommen von positivem Feedback zum Fest und den informativen Aktivitäten der ASV und der Vereine abseits dieses Sommerfestes während des ganzen Semesters!

Herzliche Grüße aus der Brücke
Achim

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