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03Aug2011

Gemeinsam für eine Umbenennung des Hindenburgplatzes!

von ufafo.ms in Frieden, Kultur

In der vergangenen Sitzung des Studierendenparlaments haben wir einen Antrag auf Umbenennung des Hindenburgplatzes eingereicht. Schließlich liegt er nicht nur direkt vorm Schloss, sondern ist auch die zweitgrößte innerstädtische Freifläche Europas. Die Diskussion über Straßennamen in Münster läuft schon länger. Zeit, dass wir Studierende uns zu Wort melden. Deshalb lautet unser Antrag:

Das Studierendenparlament der Universität Münster möge beschließen:
Das Studierendenparlament spricht sich für die Umbenennung des Hindenburgplatzes aus. Der AStA wird damit beauftragt, in Kooperation mit allen interessierten Fraktionen einen Namensvorschlag zu erarbeiten, der dem Studierendenparlament baldestmöglich zur Beratung vorgestellt werden soll. Der AStA der Uni Münster wird angehalten, diesen Vorschlag nach außen zu vertreten und sich aktiv für eine Umbenennung einzusetzen.

Begründung:
Die Debatte um die Umbenennung des Hindenburgplatzes ist in vollem Gange. Das Votum der Historikerkommission “Straßennamen” ist eindeutig (siehe unten). Die Studierendenschaft darf in der Diskussion nicht abseits stehen, sollte Aufklärungsarbeit leisten, sich geschlossen für die Umbenennung des Platzes einsetzen und einen eigenen Namensvorschlag präsentieren. Bequemlichkeit darf nicht dazu führen, dass ein Platz an einem so prominenten Ort den Namen des “Steigbügelhalters” Adolf Hitlers, eines Unterstützers und Förderes der NSDAP trägt.
Gemeinsam und engagiert sollten wir dafür streiten, dies zu ändern.

Als PDF-Datei runterladen:
uFaFo-Antrag „Gemeinsam für eine Umbenennung des Hindenburgplatzes!“

Hintergrundinformationen:
Umbenennungsempfehlungen der Stadt Münster (PDF-Datei)

Literaturempfehlung:
Pyta, Wolfram: Hindenburg: Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler (amazon.de)

3 Kommentare zu Gemeinsam für eine Umbenennung des Hindenburgplatzes!

Jörg Rostek

2. September 2011 um 19:35 Uhr

Eine Kommission Straßennamen hat dazu Empfehlungen vorgelegt. Sie schlägt die Umbenennung von neun Straßen vor. Wissenschaftliche Fachberater der Kommission waren die Historiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer und Prof. Dr. Alfons Kenkmann. Zum Hindenburgplatz steht in den neu vorgelegten Stammblättern der Kommission folgender Auszug, der keinen Zweifel mehr an der Notwendigkeit der Umbenennung lässt. Dort heißt es:

„Der letzte Reichspräsident der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg, wird nach neueren Forschungen auf breiterer Quellengrundlage (siehe vor allem: Wolfram Pyta, Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler, München 2007) erheblich kritischer beurteilt, als dies bislang der Fall gewesen ist. Ergebnis der neuesten Forschung ist, dass der Reichspräsident nicht Spielball oder tragische Figur anderer Mächte gewesen ist, sondern autonom, selbstbewusst und rational handelte. Paul von Hindenburg war ein von starkem Herrscherwillen geprägter Mensch, der erkannt hatte, dass die Monarchie – und ursprünglich ist Hindenburg Monarchist gewesen – in den 1930er Jahren nicht wieder restituiert werden könne. Da Hindenburg Antirepublikaner war, strebte er ein antiparlamentarisches und antidemokratisches autoritäres Regime an und sah schließlich in Hitler und der Hitlerpartei die politische Bewegung und Macht, die in seinem Sinne regieren würde. Die Beauftragung Hitlers zur Bildung einer Regierung im Januar 1933 hat Hindenburg allein verantwortet und allein durchgeführt. Mit mehreren „Notverordnungen“, von Hitler Hindenburg quasi in die Feder diktiert (z. B. nach dem Reichstagsbrand), ermöglichte der Reichspräsident dem „Führer“ und der NSDAP es, systematisch und Schritt für Schritt die Demokratie und den Rechtsstaat auszuhebeln. Für die entscheidende Reichstagswahl, die den Weg für ein Ermächtigungsgesetz und damit die legale Abschaffung des Parlamentarismus ebnen sollte, verlieh Hindenburg der NSDAP seinen Nimbus.
Hindenburg, der trotz hohen Alters bis etwa zwanzig Stunden vor seinem Ableben immer im „Vollbesitz seiner geistigen Kräfte“ (Wolfram Pyta) geblieben ist, hat unter dem Datum des 11. Mai 1934 ein politisches Testament hinterlegt; gerade auch dies ist ein wichtiges Dokument seines herrschaftlichen Selbstverständnisses. Darin äußerte er sich auch über einen würdigen Nachfolger in seinem Amt. Sein politisches Vermächtnis enthält eine klare Aussage darüber, welchen charismatischen Politiker er für berufen hielt, sein politisches Erbe anzutreten. In der endgültigen Fassung des Testaments steht die Passage: „Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes- und Klassenunterschiede zu innerer Einheit zusammenzuführen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan ….. Ich scheide von meinem deutschen Volke in der festen Hoffnung, daß das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Januar 1933 führte, zu voller Erfüllung und Vollendung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.“ (Zitiert nach Pyta, S. 863)
Zu welchen Verbrechen die Nationalsozialisten schließlich imstande und entschlossen sein würden, konnte Hindenburg nicht voraussehen. Insofern ist er nicht in die Verbrechen des Nationalsozialismus „verstrickt“ – dies konnte er allein durch seinen baldigen Tod († 02. Aug. 1934) gar nicht sein. Andererseits schritt er in keinem Fall gegen frühe Verbrechen (Verhaftung und Ermordung politischer Gegner) der Nationalsozialisten ein.“

Quelle: http://www.muenster.de/stadt/pdf/stammblaetter-strassennamen.pdf

  Münster entehrt Hindenburg / CDU-stimmt mehrheitlich gegen Umbenennung des Hindenburgplatzes by www.ufafo.ms

21. März 2012 um 22:06 Uhr

[…] nach der Umbenennung des Hindenburgplatzes immer unterstützt und mit Beiträgen (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7) auf unserer Homepage, ja sogar mit einem eigenen Antrag im Studierendenparlament begleitet. […]

  Hindenburgplatz: Parlament ruft Studierende zum Handeln auf by www.ufafo.ms

26. Juli 2012 um 14:01 Uhr

[…] (DGB) und zahlreichen Parteien und weiteren Organisationen hat sich auch das Studierendenparlament erneut gegen den Namen Hindenburgplatz ausgesprochen. Mit einem Apell hat es sich an die Studis gewandt: […]

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