27Jun2012
Hindenburg-Debatte: „Es droht eine internationale Blamage ersten Ranges“
Nicht nur Vorstandsmitglieder, Ratsherren und Mitglieder der Grünen, sondern auch der Fraktionsvorsitzende und Mitglieder der SPD, ehemalige Landtagsabgeordnete und Mitglieder der Linken, die Linksjugend Solid, die Initiative „Schlossplatz bleibt“, das uFaFo, Mehr Demokratie, der Fachschaftsrat Soziologie, der AStA der Uni Münster, die Jüdischen Gemeinde und viele Privatpersonen trafen sich gestern im DGB-Haus in der Zumsandestraße 35. Sie gründeten die Bürgerinitiative „Schlossplatz!“ Gemeinsam wollen sie verhindern, dass der Schlossplatz wieder in Hindenburgplatz umbenannt wird. Ein Bericht.
Alle Anwesenden waren sich sicher, dass der Rat der Stadt das Bürgerbegehren der „Hindenburgfreunde“ ablehnen und es einen Bürgerentscheid Mitte September geben werde. Einige Rednerinnen und Redner fürchteten, dass es schwer werde, die Bürgerinnen und Bürger an die Urne zu mobilisieren, da sich viele Menschen „nicht für das Thema interessierten“ bzw. andere Themen für wichtiger erachteten. Es sei eine Herausforderung, die nostalgische Stimmung, die pro Hindenburgplatz sei, zu durchbrechen. Zahlreiche Münsteranerinnen und Münsteraner hätten nicht wegen Hindenburg die Listen der „Hindenburgfreunde“ unterschrieben, weil sie konservativ seien, sondern weil ihnen die Umbenennung als undemokratischer Akt vorgekommen sei. Einhellig waren die Aktiven der Meinung, dass man auch an die CDU appellieren solle, damit sich diese für „ihren Bürgermeister“, der auch CDU-Mitglied sei, und den Schlossplatz stark machten, um für Münster „eine internationale Blamage ersten Ranges“ abzuwenden.
Die Strategie einer Kampagne wurde kontrovers diskutiert. Man brauche eine gute Organisation und eine starke Kampagne. Man solle betonen, dass eine Rückumbenennung von Schloss- in Hindenburgplatz eine andere Qualität habe als eine Umbenennung von Hindenburg- in Schlossplatz, weil daraus definitiv ein Bekenntnis zu Hindenburg ablesbar sein könnte. Andere Wortführer meinten, man solle den Heimatbegriff, den die „Hindenburgfreunde“ benutzten, kritisch beleuchten und entzaubern. Ein Bürger schlug vor, einen 10- Punkte-Katalog zu entwerfen, der für alle Bürgerinnen und Bürger einsehbar, Argumente gegen Hindenburg und den Hindenburgplatz aufführe. Alle Aspekte müssten genannt werden, entgegnete ein Geschichtslehrer, nur so könne man den unterschiedlichen Wahrnehmungen der Bürgerinnen und Bürger gerecht werden. Entscheidend sei, so viele Menschen wie möglich zu erreichen – auch diejenigen, die sich wenig für die deutsche Geschichte interessierten. Insbesondere alle Bürgerinnen und Bürger unter 30 Jahre seien eine wichtige Zielgruppe. Gemeinsam man durch den Bürgerentscheid die Frage klären, ob es in Münster „weiter gehe“ oder „ins Gestern zurück“.
Der Bürgerentscheid findet voraussichtlich am 16. September 2012 statt. 23748 Münsteranerinnen und Münsteraner müssen abstimmen, damit der Bürgerentscheid bindend ist. Wenn es mehr Ja- als Nein-Stimmen gibt, wird der Schlossplatz, weil das Bürgerbegehren pro Hindenburg dann befürwortet werden würde, wieder zum Hindenburgplatz.




















2 Kommentare zu Hindenburg-Debatte: „Es droht eine internationale Blamage ersten Ranges“
Kerstin Jordan
27. Juni 2012 um 07:26 Uhr
Hallo Joerg, ich (schwarzes Langaermel-Shirt, Dutt, rechts von Dir, an der Wand neben H. Villanueva), konnte gestern nicht bis zum Ende bleiben.Gibt es jetzt einen e-mail-Verteiler (wie komm ich da drauf), haben sich AGs gebildet? lG, K.
Jörg Rostek
28. Juni 2012 um 12:41 Uhr
Hallo Kerstin,
die Debatte hat wahrlich länger gedauert als gedacht. Ja, es gibt einen Mailverteiler und ja, es haben sich Arbeitskreise gebildet. Ich empfehle dir, dich an die entweder an die Grünen zu wenden, denn diese haben die Veranstaltung moderiert (Kontakt: gruene@muenster.de) oder direkt an die Initiative “Schlossplatz bleibt!”, da diese Initiative auch an der BI “Schlossplatz!” teilnimmt (Kontakt: info@schlossplatz-ms.de).
Lieben Gruß,
Jörg