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19Jul2012

Kein Platz für Hindenburg – am 16. September mit Nein stimmen!

von ufafo.ms in Frieden, Kultur, Menschenrechte, Wahlen

Liebe Studierende aller Hochschulen in Münster,

am 16. September 2012 entscheiden die BürgerInnen Münsters wie der Name des Platzes vor dem Schloss in Zukunft heißen wird: Schlossplatz oder Hindenburgplatz. Wir dürfen bei dieser Entscheidung nicht abseits stehen und den Tradititionsverlorenen das Feld überlassen. Es geht nicht nur um den Namen eines Platzes, sondern um eine grundsätzliche Geschichtsaufarbeitung. Wollen wir, dass dieser Platz nach dem Totengräber der Weimarer Republik benannt wird? Wollen wir, dass der Steigbügelhalter der NS-Diktatur an dem zentralen BürgerInnenplatz vor dem Schloss verewigt und geehrt wird?

Der Bürgerentscheid wird zeigen, ob eine Mehrheit das tatsächlich will. „Der Platz hieß schon immer so“, kann als Argument nicht gelten. Nur weil der Platz nicht mehr nach Hindenburg benannt wird, führt nicht dazu, dass irgendjemand in Münster seine Heimat verliert. Weder wird durch die Umbenennung in Schlossplatz eine Erinnerungskultur zerstört, noch wird die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit verdrängt oder verklärt. Wer kann behaupten, dass der Name Hindenburgplatz Menschen in Münster mahnt oder dazu bewegt sich kritisch mit der deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen? Im Gegenteil. Die Umbenennung macht deutlich, dass sich die Politik endlich mit dem Erbe Hitlers und Hindenburgs auseinandergesetzt hat. Denn eine Benennung eines Platzes in Münster kommt einer Ehrung gleich, die Hindenburg nach dem Stand der aktuellen Geschichtsforschung in keinster Weise verdient.

Es war Paul von Hindenburg der als ehemaliger Generalfeldmarschall die „Dolchstoßlegende“ schuf und den schon verlorenen I. Weltkrieg vorsätzlich hinauszögerte. Hunderttausende von Menschen mussten dafür zusätzlich mit dem Leben bezahlen. Später war Reichspräsident Hindenburg nicht gezwungen, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, hätte er ihn anfangs noch noch entlassen können. Hindenburg war es, der als Reichspräsident, die Notstandsgesetze der NationalsozialistInnen unterschrieb und die Verfolgung politisch Andersdenkender befürwortete. Es war die Verordnung des Reichspräsidenten Hindenburg, welche die Presse- und Versammlungsfreiheit eingeschränkte und Hindenburg war es, der die „Reichstagsbrandverordnung“ unterzeichnete und BürgerInnenrechte außer Kraft setzte. Er unterschrieb das „Ermächtigungsgesetz“ mit der die Weimarer Republik faktisch abgeschafft wurde. Damit wirkte er bei der Errichtung des totalitären nationalsozialistischen Staates entscheidend mit.

Alle Entscheidungen Hindenburgs waren kein Muss. Das sehen auch die HistorikerInnen so. Auch wenn die historischen Voraussetzungen in Bürgertum und Adel (Untertanengeist, Militarismus, Machtstreben und Antisemitismus) für die Machtergreifung Hitlers günstig waren, bedeutet Möglichkeit in der Geschichte nicht Notwendigkeit. Freiwillig hat Hindenburg gemeinsam mit Hitler den „Tag von Potsdam“ – samt Großaufnahme wie Hitler sich ehrfurchtsvoll vor Hindenburg verbeugt – inszeniert. Oder um es deutlich zu machen: ohne Hindenburg wäre die Hitler-Diktatur nicht möglich gewesen.

Vor allem HistorikerInnen gehen sehr bedächtig mit der Vergangenheitsbetrachtung um. Es ist ihre Aufgabe, den Zeitgeist einer Epoche zu erfassen. Und sie wissen, dass sich jede Nachfolgegeneration ein anderes Geschichtsbild macht. Ein anderes Deutschland blickt heute in die Abgründe der neuzeitlichen Geschichte als das Deutschland von 1890 oder 1913, 1918 oder 1945, 1990 oder 2012. Das ist kein Verstoß gegen die Objektivität, sondern das Recht der Gegenwart. Lasst uns dieses Recht wahrnehmen. Wir wollen nicht HelfershelferInnen von Diktatoren ehren! Hindenburgs Wertvorstellungen können nicht mehr unsere Wertvorstellungen sein.

Deshalb geht am 16. September zur Abstimmung! Nehmt euer demokratisches Recht war und stimmt mit NEIN gegen Hindenburg, so dass der Platz den Namen Schlossplatz behält.

Euer unabhängiges Fachschaftenforum Münster, den 19.07.12.

Weitere Informationen gibt es auf: www.ufafo.ms.

(Aufruf als pdf-Datei)

6 Kommentare zu Kein Platz für Hindenburg – am 16. September mit Nein stimmen!

Randan

19. Juli 2012 um 19:19 Uhr

Gerne kann man leidenschaftlich über die Person Hindenburgs und seine Verantwortung streiten. Aber Aussagen wie

„Später war Reichspräsident Hindenburg nicht gezwungen, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, hätte er ihn anfangs noch noch (sic!) entlassen können.“
„Steigbügelhalter der NS-Diktatur“
„Totengräber der Weimarer Republik“
„ohne Hindenburg wäre die Hitler-Diktatur nicht möglich gewesen.“

mit dem Verweis auf „HistorikerInnen“, die dann nicht zitiert werden, sollte jeden wirklichen Historiker, Geschichtsstudenten oder angehenden Akademiker die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen.

So ein zusammengewürfelter und niveauloser Text, der politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge so verkürzt, ist in höchstem Maße unakademisch, ja sogar nahe an dilettantischem Geschwätz.

Das ist keine sachliche Auseinandersetzung, sondern Meinungsmache aus ideologischen Grabenkämpfen heraus.

Aber nach der Kritik auch Lob:

…ansonsten aber freue ich mich über Euer Engagement, insb. bzgl. des StudiPCs. Traurig, dass die Universität sowas selbst nicht hinbekommt und immer Studentengruppen diese Arbeit übernehmen müssen.

jochen hesping

21. Juli 2012 um 11:26 Uhr

lesenswert:

Umbenennungsdebatte – Professoren wehren sich gegen Hindenburgplatz (WN)
http://www.wn.de/Muenster/Umbenennungsdebatte-Professoren-wehren-sich-gegen-Hindenburgplatz

Was hat Münster mit Hindenburg zu tun? – Hindenburg steht für Krieg, Nationalismus und gegen Weimarer Demokratie (WN)
http://www.wn.de/Muenster/Was-hat-Muenster-mit-Hindenburg-zu-tun-Hindenburg-steht-fuer-Krieg-Nationalismus-und-gegen-Weimarer-Demokratie

Schloss- oder Hindenburgplatz – Historikerin kritisiert Debatte: „Furchtbar blamabel für Münster“ (WN)
http://forum.mv-online.de/Muenster/Schloss-oder-Hindenburgplatz-Historikerin-kritisiert-Debatte-Furchtbar-blamabel-fuer-Muenster

Jörg Rostek

23. Juli 2012 um 13:42 Uhr

Schlabuli

23. Juli 2012 um 23:05 Uhr

Umbennungsdebatte – Professoren für Hindenburgplatz:

http://www.wn.de/Muenster/2012/03/Historiker-kontra-Lewe-Hindenburg-Debatte-Prof.-Teuteberg-warnt-vor-Umbenennung

————–

http://relevant.at/wirtschaft/pr/662796/muenster-schlossplatz-befuerworter-krise.story

http://relevant.at/wirtschaft/pr/661552/hindenburgplatz-glaubwuerdigkeit-uni-historikern-erschuettert.story

http://www.kul-tours.de/muenster-hindenburgplatz-uni-historiker-thamer.htm

Da kann man in jede Richtung wahllos Links posten!
Also hört doch auf, hier Meinungsmache zu betreiben und setzt Euch objektiv mit dem Thema auseinander!
Gerade Jörg ist doch schon lange genug dabei!

Ich finde es eigentlich viel dramatischer, dass bei der Entscheidung einfach demokratische Elemente ausgehebelt wurden.

aleks

27. Juli 2012 um 10:23 Uhr

Das Ganze fällt wohl unter die Rubrik: „Das seit Jahrzehnten peinlichste und lächerlichste Thema einer weltoffenen und lebenswerten Universitätsstadt mit Niveau“.

jochen hesping

1. August 2012 um 17:22 Uhr

hallo schlabuli, vielen dank für die links, ich habe selten so gelacht! hast du das kleingedruckte unter den artikeln nicht gelesen? da steht:

„Es handelt sich hierbei um eine Pressemeldung im Namen der AutorInnen. relevant.at übernimmt keinerlei Verantwortung für die im Originaltext veröffentlichten Inhalte und haftet weder für direkte noch für indirekte Schäden Dritter oder deren Ansprüche, die durch die Verbreitung von Pressetexten auf relevant.at entstehen. Etwaige Rechtsverteidigungskosten, Schäden oder Ansprüche, die durch die Inhalte der Veröffentlichungen entstehen, tragen in jedem Fall die AutorInnen.“

die namen der autor/innen habe ich aber nirgends finden können. zu einer sachlichen auseinandersetzung können diese artikel so nicht beitragen. mit agnes-miegel (wohl ein hauptanliegen der von dir verlinkten kultours-homepage) habe ich mich nicht beschäftigt, finde dort zum thema hindenburg aber auch nur einseitige betrachtungen, polemische meinungsmache und links zur cdu. beim drüberschauen kam’s mir fast hoch.

ich freue mich ja, wenn auch schwarze und noch rechtere plötzlich die direktdemokratie entdecken, finde es aber schon kraß, wenn der vorwurf erhoben wird, daß die umbenennungsentscheidung undemokratisch getroffen worden wäre. da können wir ja gleich alle ratsbeschlüsse in frage stellen, was – zugegeben – für münster sicherlich manchesmal besser wäre…

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