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29Aug2012

Projektstellen: Hierarchisch – Prekär – Intransparent

von Olaf Götze in Allgemeines, AStA

Das uFaFo hat sich an dieser Stelle schon desöfteren zum neuen Projektstellenmodell des AStA geäußert. Siehe: McKinsey AStA, AStA zwischen Planlosigkeit und hohlen Phrasen
Aus Anlass der fristlosen Absetzung einer laufenden Projektstelle diskutierte das Studierendenparlament in der Sitzung am 27. August über den Umgang mit diesen Projektstellen. Nach der Auflösung der Projektstelle „Neuer Antisemitismus“ und einer Beschwerde des Projektstelleninhabers hakten ParlamentarierInnen der Opposition beim AStA nach. Dieser hielt sich jedoch sehr bedeckt.

So habe nach Amtsantritt des neu eingewechselten AStA Vorsitzenden eine Evaluation aller Projektstellen stattgefunden. Es wurden „gelbe Karten“ und schließlich eine „rote Karte“ verteilt, da die Ergebnisse aus Sicht des AStA als nicht zufriedenstellend bewertet wurden. Dabei wurde eine unbekannte Anzahl von Projektverträgen aufgestockt und gekürzt. Eine Auflistung dieser Auf- und Abstufungen sei aber für die ParlamentarierInnen nicht zu erhalten. Es wurde von der Finanzreferentin dazu eine verschwommene Argumentation über Werkverträge angeführt und somit wird den ParlamentarierInnen die Kontrollarbeit weiter erschwert.

Unabhängig vom Verlauf der Diskussion im Parlament… … wurde zunächst einmal deutlich, wie hierarchisch das neue Modell sich darstellt. Die ReferentInnen diskutieren zunächst unter sich die Arbeit der Projektstellen. Dann werden deren InhaberInnen mit den Ergebnissen der Diskussion konfrontiert. In diesem „Vorgesetztengespräch“ spielen dann offensichtlich sowohl inhaltliche Ausrichtung, als auch Arbeitsweise des Projektstelleninhabers eine gewichtige Rolle. Danach findet eine weitere Bewertung durch den AStA statt und besagte Auf- und Abstufungen werden vorgeschlagen bzw. ausgerichtet. Wie diese Änderungen vertraglich ablaufen bleibt der Opposition bisher verborgen.

Die Vorwürfe gegen den AStA durch den sich beschwerenden Projektstelleninhaber wiegen jedoch schwer. Nicht nur seien die Änderungen des AStA nicht kommuniziert worden. Entgegen der Vertragsbedingungen wurde vorzeitig und nicht fristgerecht gekündigt. Nach Einschätzung des uFaFo steht dem AStA nun also eine Klage vor dem Arbeitsgericht bevor. Das Projekt bestehend aus einem Reader und einer Vortragsreihe wurde vor Start im Wintersemester abgebrochen und studentische Gelder damit in den Sand gesetzt.

Kein Wunder also, dass sich der AStA nicht in die Karten schauen lassen möchte. Juso und CampusGrüne Hochschulgruppen sprechen sich regelmäßig gegen prekäre Beschäftigung an der Uni aus. Eine Diskussion um die eigene Arbeitsweise im AStA wird deshalb vermieden. Und auch, ob nicht doch politische Gründe für die Absetzung der Stelle gesorgt haben, bleibt aus unserer Sicht unklar. Früher wurden Projekte des AStA unter allen ReferentInnen gemeinsam besprochen und beschlossen. Ein hierarchisches Modell mag Entscheidungen vereinfachen, keineswegs jedoch deren politische Kommunikation.

Das uFaFo wird weiter am Thema bleiben.
(Autor ist stellv. Mitglied im Haushaltsausschuss des Studierendenparlamentes.)

3 Kommentare zu Projektstellen: Hierarchisch – Prekär – Intransparent

Beobachter

1. September 2012 um 19:53 Uhr

Endlich wird reagiert und durchgegriffen: Schon viel zu lange sind haufenweise Leute im AStA beschäftigt, ohne dass die Studierenden etwas davon hätten. Gelbe und rote Karten – finde ich gut! Ich kann nur hoffen, dass bald noch mehr Projektstelleninhaber rausgeschmissen werden. Allerdings frage ich mich, wen es wohl treffen wird. Wenn man auf der AStA-homepage (die offenbar schon länger nicht mehr aktualisiert wurde – den Öffentlichkeitsreferenten sollte man auch gleich rausschmeissen!) nach schaut, fallen sofort zwei Dinge auf: 23 Männer stehen bzw. standen 9 Frauen gegenüber und ein Großteil der Projektstellen ist mit Leuten besetzt, die in den vergangenen Jahren in Juso/Grünen-AStAs auf der Gehaltsliste standen. Offenbar sind Projektstellen so etwas wie die Altersversorgung ausgedienter ehemaliger AStA-Referenten. Bekommen die etwa alle weiterhin mehrere hundert Euro monatlich, selbst wenn jetzt endlich zugegeben wurde, dass sie faktisch nichts dafür leisten?

Zuhörer

3. September 2012 um 16:01 Uhr

Es wurde von einer Studentin aus dem Iran berichtet, die als Projektstellenbewerberin abgelehnt wurde, weil sie nicht akzentfrei deutsch sprechen konnte.

alibaba

7. September 2012 um 18:26 Uhr

Macht der ASTA denn noch was anderes als Projektstellen ausschreiben?

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