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10Okt2012

1 Billion Dollar Schulden – Die amerikanische Studiengebührenkrise

von Olaf Götze in Allgemeines, Bildungsproteste, Hochschulfinanzierung, Studienfinanzierung, Studiengebühren

Die USA gelten als das Vorzeigemodell für private Schulen und Hochschulen. Amerikanische Eliteuniversitäten sind die mit Abstand besten und potentesten Hochschulen der Welt. Seit mittlerweile über 30 Jahren und damit einer ganzen Generation lang, heißt es in den USA weitestgehend, dass Bildung kein allgemein zugängliches, öffentliches Gut mehr sei, sondern eine private Angelegenheit, für die auch individuell aufzukommen ist. Dem amerikanischen Traum folgend haben seither Millionen von Studierenden öffentliche und private Kredite in aufgenommen, um ihr Studium und die zugehörigen Studiengebühren zu finanzieren. Zweidrittel aller Studierenden in den USA nehmen Kredite in Anspruch. Dabei kommen enorme Summen zusammen. Durchschnittlich verschuldete sich jeder US-Student 2011 während seines Studiums mit 22.900 US-Dollar. Die Studiengebühren betragen je nach Hochschule und Studium zwischen 3.000 und 40.000 US-Dollar pro Jahr. Seit 1999 sind dabei die Studiengebühren an amerikanischen Hochschulen um durchschnittlich das 5-fache gestiegen. Durch die Gebühren werden etwa 20 Prozent des Hochschulsystems finanziert.

 

 

Doch die Kehrseite der Medaille wird in Zeiten der Krise immer sichtbarer auch in der öffentlichen Diskussion. Die Generation der AbsolventInnen ist so hoch verschuldet wie nie zuvor und immer weniger AkademikerInnen können im Anschluss an ihr Studium die Kredite in angemessenem Rahmen zurückzahlen. Im Jahr 2010 überstieg der Gesamtschuldenstand für Studienkredite erstmals den aller ausstehenden Kreditkartenbeträge der USA. In diesem Jahr hat er die unglaubliche Summe von 1 Billion US-Dollar (engl.: 1 Trillion Dollar) überschritten. Zum Vergleich: Die Darlehensverwaltung…



beim bundesdeutschen BAföG inklusive aller KfW- Kredite weist ausstehende Gesamtdarlehen von 20 Mrd. Euro aus.

Doch immer mehr Studienkreditnehmer in den USA können ihre Schulden nicht begleichen und die hohen Zinslasten sprengen oft alle Grenzen. 4,1 Millionen Amerikaner mussten 2010 damit beginnen, ihre Studienkredite abzubezahlen, welche sie aus öffentlicher Hand erhielten. Doch 375.000 von ihnen, das entspricht 9,1 Prozent, konnten innerhalb der ersten zwei Jahre ihre Raten nicht mehr begleichen. Nach drei Jahren waren es bereits 13,4 Prozent mit Zahlungsschwierigkeiten und damit etwa doppelt so häufig wie noch 2005. Diese Ausfallrate steht für die staatlichen Kredite, doch die meisten Studierenden sind neben den staatlichen, auch bei privaten Kreditgebern, wie der Studienkreditbank Sallie Mae im Soll.
Für viele ist die Zinslast nach dem Studium erdrückend und erschwert den Einstieg ins Berufsleben, Familiengründung und Hausbau erheblich. Deshalb wenden sich die Betroffenen immer häufiger mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. „I Majored in Debt“ – „Ich habe einen Abschluss im Schuldenmachen erworben“ lautet ihr Slogan. In unzähligen Youtube-Videos schildern sie ihr ganz persönliches Schicksal. So auch unter der Webseite:

Darin wird deutlich, welch enorme finanzielle, vor allem aber auch psychologische Belastung die Schulden bedeuten, die nicht selten die Grenze von 100.000 Dollar überschreiten. Die Studierenden berichten von Zinszahlungen von 7 Prozent und mehr und davon, dass alleine die Zinslast ihr Budget überschreitet. Schon spricht man in den USA von einer Studienkreditblase, die irgendwann platzen wird. Die Schuldenlast würge die amerikanische Wirtschaft ab. Kein Wunder also, dass auch Petitionen an Präsident und Kongress auf hohe Zustimmung stoßen. Darin wird unter anderem gefordert, eine Entschuldung der privaten Kreditnehmer vorzunehmen. Über eine Million Unterschriften verzeichnete eine der Petitionen bereits.

 

In Deutschland sieht eine Mehrheit nach wie vor die öffentliche Finanzierung des Bildungs- und Hochschulsystems vorrangig und auch Studiengebühren haben nicht die Akzeptanz erreicht, um ein privat finanziertes Modell durchzusetzen. Vor allem der Druck der Studierenden auf der Straße hat dazu geführt, dass in einigen Bundesländern wie Hessen und NRW die Gebühren wieder abgeschafft wurden. In anderen Bundesländern wie Niedersachsen existieren sie nach wie vor. Dort entscheiden unter anderem die Wahlen im Januar über eine mögliche Abschaffung dieses Modells.

Doch auch die gegenteiligen Stimmen, welche in einem nachgelagerten Studiengebührensystem keine Probleme sehen, sind nicht verstummt. Und in der Öffentlichkeit werden die negativen Folgen der Bafög-Schulden praktisch nicht diskutiert.

Der aktuelle Bafäg-Bericht weist zudem aus, dass immer mehr Studierende KfW – Kredite in Anspruch nehmen. Immerhin 82.000 Studierende in Deutschland haben sich über die KfW – Bank mit Studienkrediten verschuldet, um ihren Lebensunterhalt während des Studiums zu gewährleisten und in der Hoffnung, durch eine gute berufliche Perspektive die Möglichkeit zu erhalten, nach dem Studium diesen problemlos zurückzuzahlen. Doch auch hierzulande sehen die Realitäten nicht immer so rosig aus. Diese Problemlage darf nicht nur in der Studierendenvertretung, sondern sollte auch in der Beratung nicht vernachlässigt werden.

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