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18Nov2012

Insekten in der Mensa?

von Jörg Rostek in Allgemeines


Wie soll das Essen in der Mensa beschaffen sein? Weniger Fleisch? Mehr veganes Essen? Micha Greif (uFaFo), Mitglied des Studierendenparlaments, hat unseren Fragen geantwortet und erklärt, warum auch Insekten auf den Teller gehören.

uFaFo: Hallo Micha, du hast die Einführung einer Projektstelle Mensaessen gefordert und an der aktuell laufenden Mensaumfrage mitgearbeitet. Was kann deiner Meinung nach beim Angebot in den Mensen verbessert werden?

Micha: Da gibts einiges: Zunächst sollte die kulinarische Vielfalt durch die interkulturelle Küche aufgewertet werden. Insbesondere beim Fleisch wünsche ich mir noch mehr Qualität; eine klare Herkunft sollte selbstverständlich sein, dazu sollte das Essen grundsätzlich möglichst bio, regional und saisonal produziert worden sein. Mein Ziel für die großen Mensen ist ein veganes Menü täglich, damit Menschen, die versuchen ökologisch und politisch bewusst zu leben, nicht diskriminiert werden. Da vegan auch laktosefrei ist, verbessern wir somit auch das Angebot für die ca. 15 % (= jeder achte) der Studierenden, die keinen Milchzucker vertragen. Darüber hinaus sollten auch die Inhaltsstoffe transparent sein. Deren Kennzeichnung muss also verbessert werden, damit LebensmittelallergikerInnen, Laktoseintolerante und VeganerInnen nicht benachteiligt werden. Ethisch bedenkliche Produkte sollten ausgeschlossen und entsprechende Alternativen angeboten werden.

uFaFo: Du hast bei der Mensaumfrage die mittlerweile berühmt-berüchtigte Insektenfrage beigesteuert. Wie kamst du darauf?

Micha: Ich habe mich mit dem Thema Nahrungstabus auseinander gesetzt. Das ist das Phänomen, dass bestimmte Tiere oder Pflanzen, die essbar sind, von sozialen Gruppen oder in einem Kulturraum bewusst gemieden werden. Offenbar gilt kein Nahrungstabu weltweit in allen Kulturkreisen. Ich hab mich dann gefragt, warum es in unserer aufgeklärten Gesellschaft noch dieses Tabu gibt, obwohl längst fest gestellt wurde, das viele Insekten gesund, fettarm, proteinreich und zudem leicht zu züchten sind. Schließlich ist es für circa 2 Milliarden Menschen normal, Insekten zu essen.

uFaFo: Und, zu welchem Ergebnis bist du gekommen?

Micha: Es ist offenbar vor allem emotional und kulturell bedingt. Insekten werden mit Schmutz assoziiert, das ist eklig und so was isst man dann nun mal nicht. Solche hygienische Bedenken trugen sicherlich dazu bei, dass beispielsweise Schweine, die sich ja auch gerne im Schlamm suhlen, als unrein galten und zum Nahrungstabu wurden. Heutzutage ist eine hygienische und effektive Zucht kein Problem, egal ob bei Schweinen oder Insekten.

uFaFo: Wie schmeckt denn so was? Macht das satt?

Micha: Das hängt von der Menge und der Zubereitung ab. Grundsätzlich kann es genauso satt machen und schmecken wie andere Speisen auch. Bei Heuschrecken beispielsweise ist das nicht anders als bei Garnelen, die werden gepult und dann können sie zubereitet werden. Zudem ist die Verwendbarkeit so vielfältig, dass du vielleicht schon Insekten gegessen hast, ohne es wissen, beispielsweise mit einem Eiweißriegel. Gummibärchen und Kartoffelchips sind übrigens oft auch nicht vegetarisch…

uFaFo: Glaubst du das Studentenwerk würde den Vorschlag übernehmen, wenn die Studierenden das auch wollen?

Micha: Bisher sind Insekten als Nahrungsmittel bei uns mehr was zum Probieren.  Teilweise gilt man ja schon als mutig, wenn man sich an solche Speisen herantraut. Das wäre also eher etwas für ein sporadisches Aktionsangebot. Letztlich ist der Sinn der Frage auch, ein möglicherweise veraltetes und bisher kaum wissenschaftlich bearbeitetes Tabu und dessen Folgen anzugehen. In den 1980er Jahren konnte sich hierzulande auch kaum jemand vorstellen, rohen Fisch auf gesäuertem Reis zu essen. Heute ist Sushi für uns normal und etwas, dass auch auf dem Speiseplan der Mensen berücksichtigt werden sollte.

uFaFo: Warum ist das Tabu veraltet?

Micha: Nach UNO-Prognosen wird die Weltbevölkerung von jetzt 7 Milliarden noch auf voraussichtlich 11 Milliarden Menschen ansteigen. Wir haben nur diesen einen Planeten und bereits jetzt hungern hunderte Millionen Menschen täglich. Alle drei Sekunden stirbt ein Mensch an Hunger. Das ist einerseits ein Verteilungs- und Kriegsproblem, andererseits eins der begrenzten natürlichen Ressourcen. Die Vereinten Nationen haben das Problem und die bisher ungenutzte Ressource erkannt und zur Bekämpfung der Mangelernährung in Laos das erste Programm zur Förderung des Insektenkonsums gestartet. Vielleicht ist es ein Luxus, dass wir (noch) darauf verzichten können. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass langfristig ein Trend im kommen ist, der Speisen aufgreift, die schon bei Griechen und Römern gegessen wurden oder neue kreiert. In Berlin gibt es bereits mehrere entsprechende Restaurants wie das Never-Never-Land „Outback“.

uFaFo: Jetzt gibt es ja schon seit Jahren, wenn nicht sogar seit Jahrzehnten die Forderung vieler Studierender nach preiswertem und veganem Mensaessen. Warum Gibt es deiner Meinung nach immer noch so wenige vegane Produkte in der Mensa? Warum dauert das so lange?

Micha: Die Preise sind abhängig von den finanziellen Möglichkeiten des Trägers, das ist das Studentenwerk. Deren Förderung vom Land NRW war in den letzten Jahren leider rückläufig. Es reicht nicht, sich seine Wahlkampfforderung in eine Broschüre zu schreiben. Man muss sich regelmäßig aktiv mit den verantwortlichen des Studentenwerks auseinander setzen. Da ist dieses Jahr außer zwei Mensaführungen offenbar nichts passiert. Bei der Führung habe ich gemeinsam mit einigen anderen TeilnehmerInnen vorgeschlagen, hierzu einen Arbeitskreis einzurichten. Ich hoffe, dass der AStA diesen nach Abschluss der Umfrage endlich startet.

uFaFo: Glaubst du, dass das Studentenwerk einlenken wird, wenn sagen wir mal 80 Prozent der Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, ein reichhaltiges veganes und faires Angebot fordern?

Micha: Das Studentenwerk ist für die Studierenden da. Kundenorientierung bedeutet also hier vor allem Studierendenorientierung. Ein solches Umfrageergebnis würde also auf jeden Fall dazu beitragen. Wichtig ist, das Studentenwerk nicht mit dem Ergebnis alleine zu lassen, sondern regelmäßig mit den betreffenden Fachabteilungen an den Verbesserungen zu arbeiten.

uFaFo: Für Leute, die am Studentenwerk verzweifeln, kannst du uns Anlaufstellen für Veganerinnen und Veganer jenseits der Mensen nennen?

Micha: Es gibt mittlerweile sogar einen veganen Restaurant- und Einkaufsführer für Münster, den „vegan guide Münster“, einen veggi-Treff, ein veganes Geschäft, sowie einen veganen Mitbringbrunch im ClubCourage. Außerdem empfehle ich die Foodcoop-Initiative, die gemeinsam regionales & saisonales Obst und Gemüse sowie Brot in Bioqualität einkauft.

Das Interview führte Jörg Rostek.

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